Welche Warensicherungssysteme gibt es? Die vollständige Übersicht
Die fünf Technologiefamilien der Warensicherung
Grundlegend lassen sich alle am Markt verfügbaren Warensicherungssysteme in fünf Technologiefamilien einteilen. Sie unterscheiden sich in Funktionsprinzip, Detektionsrate, Fehleralarmquote und Einsatzgebiet:
AM-Systeme – Akustomagnetische Warensicherung (58 kHz)
AM-Systeme sind heute der globale Standard im Einzelhandel. Die Antennen erzeugen ein Magnetfeld bei 58 kHz. Das AM-Etikett enthält einen Streifen aus magnetostriktivem Material und einen Permanentmagneten. Im Detektionsfeld beginnt das Material zu schwingen und erzeugt ein charakteristisches Signal – der Alarm wird ausgelöst.
Beim Deaktivieren an der Kasse wird der Permanentmagnet im Etikett reversibel entmagnetisiert. Dadurch schwingt das Material nicht mehr – das Etikett ist stumm. Dies ist eine reversible Deaktivierung; die Etiketten lassen sich prinzipiell reaktivieren.
Stärken
- Sehr hohe Detektionsrate (>98%)
- Geringe Fehleralarmquote
- Robust gegenüber Metallregalen
- Breite Etikettenauswahl
- Weltweit kompatibel
Schwächen
- Etiketten nicht vollständig unlesbar nach Booster-Bag
- Höhere Antennenkosten als EM
- Nicht für Inventar-Tracking geeignet
EM-Systeme – Elektromagnetische Warensicherung
EM-Systeme arbeiten bei sehr niedrigen Frequenzen (typisch 70–1000 Hz) und werden seit Jahrzehnten in Bibliotheken und Medienmärkten eingesetzt. Das EM-Etikett ist extrem dünn – oft nur 0,2 mm – und kann direkt in Buchdeckel oder CD-Hüllen integriert werden. Die Deaktivierung erfolgt durch eine kurze Magnetimpulsfolge.
Stärken
- Sehr flache Etiketten (unsichtbar in Medien)
- Günstige Etikettenkosten
- Reaktivierbar (ideal für Bibliotheken)
Schwächen
- Störanfällig durch Metallregale
- Niedrigere Detektionsrate als AM
- Weniger geeignet für offene Einzelhandelsflächen
RF-Systeme – Radiofrequenz (8,2 MHz)
Entgegen dem Trend zur Akustomagnetik erlebt die RF-Technologie (8,2 MHz) in Deutschland aktuell eine Renaissance, da sie als extrem kosteneffiziente und nachhaltige Lösung punktet. Durch moderne digitale Signalverarbeitung (DSP) wurden frühere Schwächen bei der Störanfälligkeit eliminiert, was RF heute zu einer hochzuverlässigen Option für den Massenmarkt macht.
Besonders die unschlagbar günstigen Preise für Etiketten und die einfache Integration in die Quellensicherung führen dazu, dass immer mehr deutsche Einzelhändler RF wieder priorisieren, um hohe Sicherheitsstandards mit minimalen Betriebskosten zu vereinen.
Stärken
- Sehr flache Etiketten (sticker)
- Günstige Etikettenkosten
Schwächen
- Störanfällig durch Metallregale
- Niedrigere Detektionsrate als AM
RFID-Systeme – Radio Frequency Identification
RFID-Systeme repräsentieren die nächste Generation der Warensicherung. Jedes Etikett enthält einen programmierbaren Mikrochip, der eine eindeutige ID speichert. RFID-Lesegates können dutzende Etiketten gleichzeitig lesen – ohne Sichtlinie, durch Verpackungen und durch Taschen.
Der entscheidende Unterschied zu AM/EM/RF: RFID kombiniert Diebstahlschutz und Bestandsmanagement in einem System. Inventuren, die früher Stunden dauerten, sind mit RFID in Minuten abgeschlossen. Fehlmengen werden in Echtzeit gemeldet.
Stärken
- Diebstahlschutz + Echtzeit-Inventur
- Sehr hohe Detektionsrate
- Geeignet für Click & Collect, Omnichannel
- Langfristig kosteneffizient
Schwächen
- Höhere Investitionskosten
- Komplexere Implementierung
- Etiketten teurer als AM/EM
Mechanische Sicherungssysteme
Mechanische Systeme sind keine Konkurrenz zu elektronischer Warensicherung, sondern eine wichtige Ergänzung. Sicherheitskabel, Hardtags mit Stiftmechanismus, Sicherheitsboxen und abschließbare Vitrinen verhindern die physische Entnahme – unabhängig von Elektronik und Strom. Sie sind besonders wertvoll für Hochpreisartikel und als zweite Sicherungslinie.
Systemvergleich auf einen Blick
| System | Frequenz | Detektionsrate | Inventar-Funktion | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| AM | 58 kHz | Sehr hoch (>98%) | Nein | Lebensmittel, Textil, FMCG |
| EM | 70–1000 Hz | Hoch | Nein | Bibliotheken, Medienhandel |
| RF | 8,2 MHz | Mittel | Nein | Ältere Systeme |
| RFID (UHF) | 860–960 MHz | Sehr hoch | Ja (Echtzeit) | Mode, Logistik, Premium |
| Mechanisch | – | Physisch | Nein | Elektronik, Wertartikel |
Welches System passt zu welchem Betrieb?
Textil / Mode: AM-System oder RF-System mit Hardtags + optional RFID für Omnichannel-Betriebe.
Elektronik / Werkzeug: AM oder RFID als Basis + mechanische Sicherung (Kabel, Boxen) für Einzelartikel.
Bücher / Medien: EM-System – flache Etiketten, günstig, reaktivierbar.
Premiumsegment / Modeketten: RFID – wenn Inventargenauigkeit und Diebstahlschutz gleichzeitig gefragt sind.
Zubehör und Systemkomponenten
Jedes EAS-System besteht aus mehreren Komponenten, die aufeinander abgestimmt sein müssen: Antennen (am Ausgang), Deaktivatoren (an der Kasse), Detacher (für Hardtags), Etiketten/Tags und ggf. Repeater für große Gangbreiten. Beim Kauf empfehlen wir immer, alle Komponenten vom gleichen Systemhersteller oder einem zertifizierten Fachhandel wie ABS Warensicherung zu beziehen, um Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden.
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